Teufelskind: Roman - Natsuo Kirino

Geboren in einem tokioter Bordell, dort nur geduldet und sich selbst überlassen, wurde Aiko, nachdem der Betrieb eingestellt werden musste, in einem Heim untergebracht. Doch auch dort wurde sie verachtet, von der Gemeinschaft der Kinder ausgeschlossen und gehörte zur untersten Kaste, denn Aiko weiß bis heute nicht, welche der Huren ihre Mutter, geschweige denn welcher Freier ihr Vater ist.
Heute, Jahrzehnte später, ist es Aikos einziges Ziel, all jene zu beseitigen, die etwas über ihre Vergangenheit wissen, indem sie sie aufspürt und grausam ermordet. Dabei gelingt es ihr jedoch immer, diese Morde wie Unfälle aussehen zu lassen, so dass sie nun auch keinerlei Hemmungen mehr hat, weitere Menschen zu töten, einfach nur, weil sie aus deren Tod einen Nutzen ziehen kann.
Als die ehemaligen Huren, allesamt inzwischen ältere Damen, einen Verein gründen, um alle damaligen Bewohnerinnen des Bordells zusammen zu bringen und in dem früheren Freudenhaus eine Wohngemeinschaft zu gründen, scheint dies die perfekte Gelegenheit für Aiko, die übrigen Schatten ihrer Vergangenheit auf einen Schlag auszulöschen. Doch eine der Damen erkennt Aiko, und auch eine weitere Person scheint ihrem mörderischen Treiben auf die Schliche gekommen zu sein.

Natsuo Kirino zerstört mit ihrem Roman „Teufelskind“ einmal mehr das japanische Geschlechterrollenverständnis mit einer verstörenden Darstellung der dunklen und brutalen Seite japanischer Frauen. In ihren Romanen beschreibt sie erbarmungslos und provokativ, zu welch unvorstellbaren Dingen Menschen in der Lage sind, die nichts mehr zu verlieren haben. Zu diesen Versagern am Rande der Gesellschaft gehört auch Aiko, die die Schwelle zum Bösen und Tabulosen weit überschritten hat. Sie ist gewalttätig und gnadenlos, ohne den kleinsten Funken eines schlechten Gewissens und erlaubt dem Leser daher keinerlei Identifikation mit der Protagonistin. Dennoch wird man von einer abstoßenden Faszination beherrscht, die einen zwingt, der Geschichte weiter zu folgen.
„Teufelskind“ baut etwas weniger Spannung auf als "Die Umarmung des Todes", ist jedoch so fesselnd, dass der Roman hiermit jedem Hardboiled- und Krimifreund ohne Einschränkung empfohlen sei.